WIGALD BONING – Jet Set Jazz

Wigald Boning - Jet Set Jazz

Wigald Boning - Jet Set Jazz

Kürzlich war er in der Bonner Bundeskunsthalle: Wigald Boning. Er war Gast von Till Brönners Reihe “Talking Jazz”, und man darf sich fragen: Was um Himmels Willen hat Wigald Boning mit Jazz zu tun? Er ist doch vor allem als Komiker in der Sendung “RTL Samstag Nacht” groß geworden, dann noch mal als Moderator der Wissens-Sendung “Clever” in Erscheinung getreten, und … achja, stimmt, zusammen mit seinem Kollegen Olli Dittrich war er sogar mal in den Charts: “Lieder, die die Welt nicht braucht” hieß damals das Album von dem Duo “Die Doofen”. Auch hier stand aber zunächst einmal die Komik im Vordergrund. Umso überraschender, was man jetzt von Wigald Boning hört: Seit kurzem steht seine CD “Jet Set Jazz” in den Läden. Angeblich erfüllt er sich damit einen lang gehegten Traum: Auf den “Jet Set” kam er, weil er auf der Suche nach Musik war, die er während der regelmäßigen Fahrten zum Flughafen hören kann, ohne dass ihm dabei langweilig wird. Der “Jazz” ist bei dieser Platte ein unterschwelliger Einfluss: Schließlich hatte Wigald Boning sein musikalisches Initiationserlebnis mit dem Saxofonisten Charlie Parker, und so spielt Wigald auf “Jet Set Jazz” ebenfalls das Saxofon, aber nicht nur: Tuba, Trompete, Klarinette, Oboe, Flöte, Fagott – alles hat er drauf und verleiht der Platte dadurch schon fast einen orchestralen Sound. An seiner Seite: Roberto di Goia, vor allem bekannt als Pianist und Keyboarder von Till Brönner und Klaus Doldingers “Passport”. Im Prinzip ist das dann auch schon die Besetzung der CD – lediglich zwei Sängerinnen kommen dazu, die ein bisschen “Uhu” und “Aha” machen, und dann wäre da noch der Soundtüftler und Produzent Christian Prommer, der bislang mit dem “Trübi Trio” unterwegs war. Diese drei Musiker haben mit “Jet Set Jazz” eine CD gemacht, die wirklich in einem eigenen Universum spielt: Es gibt Easy Listening-Anklänge à la James Last, an anderer Stelle lassen sich moderne Disco-Elemente raushören, der Bossa Nova blitzt immer mal wieder auf, manche Stücke sind sehr minimalistisch elektronisch, aber mit Sounds gestaltet, an denen man sich gar nicht satthören mag. Und wie Wigald Boning selbst sagt: “Filmmusiken aus den 60er Jahren” haben bei der Entstehung auch eine Rolle gespielt: Die Cote d’Azur und eine Fahrt im offenen Wagen. Unbekümmert, leicht und vielschichtig. In der Tat gibt es da erstmal nicht so viel, was sich beim Hören abnutzen würde. Eine CD, die mal richtig angenehm aus dem vorweihnachtlichen Rahmen fällt. Wigald Boning und “Jet Set Jazz”.

www.myspace.com/wigaldboning

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